Bewegung mit Funktioneller Elektrostimulation

Häufige Fragen und Antworten

Medizinische Themen

Was ist Funktionelle Elektrostimulation (FES)?

Die Funktionelle Elektrostimulation (FES) ist eine Therapiemethode, bei der Nerven mit Strom stimuliert werden, um Muskeln zur Kontraktion zu bringen. Das Ziel ist eine funktionelle Bewegung zu erzeugen z.B. Tretbewegung beim Fahrradfahren.

Was ist der Unterschied zwischen FES mit RehaMove und TENS Geräten?

Einordnung der FES in die Elektrotherapie

Was ist der Vorteil von FES gegenüber der Bewegungstherapie ohne FES?

Bei welchen Krankheitsbildern kann FES durchgeführt werden?

Die Funktionelle Elektrostimulation ist generell einsetzbar bei peripheren und zentralen Lähmungen, bei denen das untere Motoneuron intakt ist. Anwendungsbereiche sind u.a.:

• Rückenmarksverletzung
• Schlaganfall
• Schädel-Hirn-Trauma
• Multiple Sklerose
• Guillain-Barré-Syndrom
• Morbus Parkinson
• Chronische Polyarthritis (Rheumatoide Arthritis)
• Zerebralparese
• ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)
• Orthopädische Erkrankungen
• Muskelschwäche & Lähmungen durch Beeinträchtigungen des peripheren Nerves

Hinweis: Die Patientenindividuelle Konstitution oder Kontraindikation können die FES Therapie nicht ermöglichen. Kontaktieren Sie vor der Therapie einen Arzt.]

Welche Muskelgruppen können stimuliert werden?

Generell können alle gelähmten Muskeln stimuliert werden. Die Muskeloberfläche darf nicht kleiner sein als die Elektroden.

Kontraindikationen

FES und RehaMove sollten nicht angewandt werden, bei Personen mit:

• Herzschrittmachern
• noch nicht ausgeheilten Frakturen in den unteren und oberen Extremitäten
• Schäden in einer der beiden Rotatoren-Manschetten oder der Möglichkeit der Schulter Luxation, wenn die Arme trainiert werden sollen
• Epilepsie
• bekannten Allergien gegen Elektrodengel
• Metallimplantaten, nahe der Muskelgruppen die stimuliert werden
• Schwangerschaft, da keine Untersuchungen zu eventuellen Nebenwirkungen bekannt sind

Wie lange sollte das Training dauern?

Die Trainingsdauer ist abhängig von der individuellen Persönlichkeit des Patienten sowie dem Krankheitsbild und dem Trainingsziel. Der Patient sollte sich zunächst an die Therapieform gewöhnen. Zu Begin der Therapie/ des Trainings sollten 5-10 Minuten ausreichen, da die Muskeln untrainiert sind und schnell ermüden. Durch regelmäßiges Training ist eine Trainingsdauer von bis zu 1 Stunde pro Tag möglich. Bei einem wöchentlichen Training von 3-4 Mal, je 30 Minuten kann ein hoher Therapieeffekt erzielt werden.

Wie funktioniert die Stimulation?

Elektrische Impulse aktivieren die peripheren Motornerven, die zu den Muskeln führen. Die Impulse verlaufen zwischen 2 Elektroden und aktivieren die Nerven zwischen den Elektroden. Jeder Nerv hat eine Reizschwelle (Alles-oder-Nichts-Prinzip), die ein Aktionspotenzial auslöst. Eine Aktivierung kann dann stattfinden, wenn die Stimulationsintensität hoch genug ist (Pulsweite oder Strom erhöhen), um diese Schwelle zu überschreiten.

Wichtige Begriffe

Innervation:
• Versorgung des Organismus mit Nerven zur Reizweiterleitung
• Intakte Nervenverbindung zum Muskel

Denervation:
• keine intakte Nervenverbindung zwischen Organ/ Muskel und Gehirn

Inaktivitäts-Atrophie:
• Rückbildung der Muskulatur durch Bewegungsverlust

Afferenz:
• alle Zuflüsse von Informationen (neuronale Afferenzen) verlaufen aus der Peripherie (Arme, Beine) zum Zentralnervensystem (ZNS)

Afferenzsetzung:
• Ansteuerungsverhalten

Reafferenz:

• Informationen laufen vom Zentralnervensystem zur Peripherie

Muskeltonus:
• Spannungszustand des Muskels
• beeinflussbar durch Anzahl aktivierter motorischer Einheiten, bzw. durch Erregungsfrequenz
• bei Spastiken wird der Tonus höher
• Tonus ist abhängig von Fehlstellungen und Kontrakturen

Spastik:
• erhöhte Spannung der Muskulatur mit gesteigerten Muskeleigenreflexen

Adduktion:
• Bewegung zur Körpermitte oder zur Körperachse hin (z. B. Heben des Fußes)

Abduktion:
• Seitwärtsbewegung eines Körperteils

Lähmungshöhen und Funktionen

Technische Fragen

Wie viele Muskeln/Kanäle kann ich gleichzeitig stimulieren?

Mit RehaMove können bis zu 8 Stimulationskanäle/ 8 Muskeln gleichzeitig stimuliert werden.

Welche Elektrodengrößen werden für welche Anwendungsfälle verwendet?

Allgemein gilt: je größer die Elektroden, desto besser (angenehmer, da geringere Stromdichte)
Die Größe hängt von der Fläche der zu stimulierenden Muskeln ab: bei kleinem Muskel kleine Elektroden und umgekehrt. Die Form der Elektroden kann oval und rechteckig sein.

Wo sollen die Klebeelektroden platziert werden?

• auf den Muskelbauch (mittig)
• zwischen den Elektroden eine Handbreite frei lassen, desto größer ist der Therapieeffekt
• ggf. rasieren, um die Haftung und den Kontakt zur Haut zu verbessern

Können auch Elektroden anderer Hersteller verwendet werden?

Wir empfehlen HASOMED-Elektroden aufgrund der Garantie- und Gewährleistungsansprüche zu verwenden. HASOMED-Klebeelektroden halten bis zu 15 Anwendungen.

Hinweis: Klebeelektroden haften schlecht auf eingecremter Haut

Welche Impulsformen sind mit RehaMove möglich?

Stimulation mit biphasischen Rechteckimpulsen

FES Cycling

Wie wird die Bewegung mit dem MOTOmed synchronisiert?

RehaMove und MOTOmed kommunizieren über ein Datenkabel. Der Datenaustausch erfolgt über alle relevanten Parameter (Winkel bzw. Stellung der Kurbelarme, Drehzahl und Drehrichtung, Symmetrie, Gang, Zeit, Strecke). Die Stimulationssequenzen der angesteuerten Kanäle werden durch Winkeldaten des MOTOmed ausgelöst, dadurch „weiß“ der Stimulator, wann welcher Muskel stimuliert werden muss.

Welche Parameter gibt es und was bewirken diese?

Frequenz:
• Zahl der Impulse pro Sekunde, angegeben in Hertz (Hz)
• Frequenz der Stimulation bestimmt den Typ der Muskelfasern, der aktiviert wird, und welche Kraft erzielt wird
• optimale Frequenz für einen Muskel ist abhängig von der individuellen Verteilung der Muskelfasern
• ist die Frequenz zu niedrig gewählt, reagiert der Muskel nur mit Zucken ohne Kraft
• zwischen 10-50 Hz

Stromstärke:
• pro Zeit fließende Ladung, gemessen in Milliampere (mA)
• zwischen 0-130 mA
• es wird mit Wechselstrom gearbeitet (ausgeglichene Ladung)

Pulsweite:
• Dauer des Impulses, gemessen in Mikrosekunden (μs)
• zwischen 20-500 μs

Was sind typische Parameter bei kompletter und inkompletter Lähmung?

• generell abhängig vom Krankheitsbild des Patienten
• mit niedrigen Werten starten und dann vorsichtig Schrittweise erhöhen
• Ziel: eine geschmeidige und kraftvolle Kontraktion
• bei Spastiken vorerst weniger Hz, um Muskeltonus nicht übermäßig zu erhöhen (bis 30 Hz)
• vor dem Training Muskeln massieren, um zu desensibilisieren, längere Warm-Up Phase
• bei Sensibilität: die Toleranzschwelle des Patienten ist das Limit der Stimulation
(im Allgemeinen kann nach einer Gewöhnungsphase die Intensität schrittweise erhöht werden)

Kompletter Querschnitt:

• Strom: 40–90 mA
• Impulsweite: 250-500 μs
• Stromtest beginnen mit 0 mA/ 250 μs
• MOTOmed: Servo fahren mit Gang 0-1

Schlaganfall, Schädelhirntrauma oder Rückenmarksverletzung mit (Rest)-Sensibilität:
• Strom: 30–40 mA
• Impulsweite: 100-300 μs
• Stromtest beginnen mit 0 mA/ 100 μs
• MOTOmed: Servo fahren mit Gang 0-6

Wie kann ich Ausdauer oder Kraft trainieren?

• für Krafttraining werden höhere Frequenzen benötigt (ab 30 Hz)
• für Ausdauertraining niedrigere Frequenzen (bis 30 Hz)

Muskelfasertypen:

Was bewirkt die Rampe?

• Pulsweite wird langsam und schrittweise aufgebaut
• besonders geeignet für sensitive oder ängstliche Patienten
• Beispiel: Rampe 5; Impuls wird in 5 Schritten mit ansteigender Intensität aufgebaut

Kann der Strom mit steigender Trainingsdauer angepasst werden?

• ist abhängig vom Patienten
• während des Trainings können Strom, Frequenz und Pulsweite nachgeregelt werden

Wird RehaMove von der Krankenkasse erstattet? Gibt es eine Hilfsmittelnummer?

• Erstattung des RehaMove ist möglich, in Absprache mit dem behandelnden Arzt
• Hilfsmittel-Gruppennummer für RehaMove: 09.37.04.1000
• MOTOmed hat Hilfsmittelnummer: Beintrainer: 32.06.0007, Arm- und Beintrainer: 32.29.01.0006

Wann wird das konstante Training verwendet?

• generell: Therapeut entscheidet zu behandelnde Patientengruppe
• konstantes Training: Stimulationsintensität bleibt immer gleich, auch wenn Patient schneller oder kräftiger tritt
• meist bei kompletter Querschnittlähmung

Wann wird das adaptive Training verwendet?

• generell: Therapeut entscheidet zu behandelnde Patientengruppe
• adaptives Training: automatische Anpassung der Leistungsfähigkeit an den Patienten
• es wird nur so stark stimuliert, wie es ein Patient zur Unterstützung seiner Restfunktion benötigt
• meist bei inkompletten und zentralen Lähmungen: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma
• Einstellen der maximalen und minimalen Pulsweite:
- wenn eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht wird, hört die Stimulation langsam auf
- unterhalb dieser Geschwindigkeit beginnt die Stimulation wieder

Sequenztraining

Wie funktioniert das Sequenztraining?

• RehaMove wird ohne MOTOmed als konventionelles Stimulationsgerät nutzbar
• es können zyklische Bewegungen an Armen und Beinen trainiert werden (z.B.: greifen, beugen)

In welchen Fällen wird das Sequenztraining genutzt?

• um einzelne Muskeln zu aktivieren bzw. zu bewegen
• um die Trainingsintensität zu erhöhen, z.B.: abwechselnde Aktivierung von Quadrizeps und Bizeps
• Einsatz dort, wo das RehaMove nicht eingesetzt werden kann, z.B. beim Wiederanbahnen komplexer Bewegungsabläufe wie dem Greifen
• RehaStim enthält Vorlagen für Traingsübungen, wie FES Walking, Crawling, Schulterstabilisierung und Aufstehübungen

Wie bekomme ich das Sequenztraining?

Bei vorhandenem Stimulator kann das Training über eine zusätzliche Lizenz freigeschaltet werden.

Was bewirkt der Button „Periode“ im Prozent-Sequenz-Training?

• die Dauer der kompletten Sequenz wird eingestellt
• Perioden sind nach Sekunden verstellbar

Was bewirkt der Button „Intervall“ im Sekunden-Sequenz-Training?

• zwischen den Sequenzen wird es immer eine Pause geben
• Pausenzeiten in Sekundenschritten wählbar